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15. Januar 2011: Endlich wieder Radfahren
Mittwoch, den 23. Februar 2011 um 15:00 Uhr

10. Etappe: Vientiane – Pak Khan (Thailand); Tages-Km: 120; Zeit: 5:38 h; Durchschnitt: 21,22 km/h; Gesamt: 915 km

Heute müssen wir uns leider von Jule verabschieden und sie in Vientiane zurücklassen. Sie kommt auf Krücken zum Frühstück gehumpelt. Das Frühstück in diesem Guesthouse ist das beste, was ich in den letzten 2 Wochen gegessen habe. Ich bin richtig satt. Um 09:00 Uhr verabschieden wir uns mit Pippi in den Augen von Jule. Der Abschied fällt wirklich schwer, auch wenn es Anfangs, wie wohl auf jeder Tour, kleine Unstimmigkeiten unter uns allen gab.

Den Weg, raus aus Vientiane könnten wir schon blind fahren. Die Grenze ist schnell erreicht. Der Bürokratenkram hält uns fast eine Stunde auf. Nun sind wir in Thailand. Der Unterschied zwischen Thailand und Laos fällt sehr stark auf. Während es in Laos außerhalb der Städte recht armselig wirkt, herrscht hier in Thailand z.T. Luxus und Glamour. Trotzdem ist Laos ein sehr schönes Land, mit unheimlich netten Menschen. Jedoch sollte man dort  nicht zum medizinischen Fall werden. Dann sieht man recht alt aus. 

Die Strassen in Thailand sind sehr gut ausgebaut. An den Linksverkehr gewöhnen wir uns ganz schnell. Nach der Grenze fahren wir gen Osten immer schön am Mekong entlang. Viel sehen können wir diesen großen Fluss jedoch nicht. Auf der Strasse, mit breiten Randstreifen, gibt es heftig viel Verkehr und noch mehr Gegenwind. Es ist also nicht so toll, wie in den Bergen. Nur die Temperatur ist sehr schön. Ich dichte aus Langeweile das Lied "10 kleine Negerlein" in "4 kleine Radfahrer" um. Vielleicht schreibe ich es mal bei Gelegenheit auf und es wird ein Hit.

Gegen 16:45 Uhr erreichen wir die kleine Stadt Pak Khan am Mekong. Viel hat die Stadt nicht zu bieten. Aber uns ist heute nicht nach Stadtrundgang. Wir sind nach dem Gegenwind ordentlich fertig. Direkt am Mekong ist ein Hotel. Das riesige Zimmer mit Balkon und großem, pickfeinem Bad gefällt uns auf Anhieb. Es kostet nicht mehr, als die einfachen Unterkünfte in Vientiane. Pünktlich, zum Bilderbuchreifen Sonnenuntergang, sitzen wir auf dem Balkon mit einer Flasche gekühlten Bier. Was gibt es schöneres, dreckig und verschwitzt ein Bier zu trinken. Ich nutze gleich die Gelegenheit, meine Sachen zu waschen. Wir Männer sind da richtig pfiffig und sparen uns viel Zeit, indem man gleich mit der kompletten Radfahrerkluft unter die Dusche geht. Alles ordentlich einreiben, abduschen und nach dem richtigen Duschen ausspülen, im Handtuch auswringen und dann bloß noch aufhängen. Fertig!  Ja, so einfach kann Wäsche waschen sein.

Nach einem Dinner (so richtig werden wir hier wohl nie satt) auf der Terrasse am Mekong, sind wir kurz in die Stadt gefahren. Da ist aber gar nichts mehr los. Wo es morgen hin geht, überlegen wir uns noch. Auf jeden Fall gen Süden in Richtung Kambodscha. 

Am 29.01. müssen wir erst mal aus Thailand ausreisen. Können aber gleich wieder einreisen, wenn wir es wollen. Hintergrund ist der, dass es bei jeder Einreise nach Thailand über dem Landweg, nur 15 Tage Aufenthaltsrecht für Touristen gibt.


 
14. Januar 2011: Unfall, viel Glück und Zwangsaufenthalt in Vientiane
Mittwoch, den 23. Februar 2011 um 14:59 Uhr

9. Etappe: Vientiane – Thadeua (kein Witz); Tages-Km: 20 

Heute sind wir pünktlich um 08:30 Uhr losgefahren. Es ist schon schön warm. Endlich wieder in der Sonne und bei Wärme fahren. Ach, was haben wir uns gefreut. Marco sagte noch, endlich kommen wir aus Vientiane raus und sehen es nie wieder. Ich sagte noch, man soll nie "nie" sagen. Wir kommen die ersten Kilometer flott voran und haben auch ganz schnell die Stadt verlassen. Wir nutzen de wenig befahrene Straße in Richtung Osten. Insgeheim rechnen wir uns aus, dass wir heute die 140 km bis Pakxan schaffen können. Immerhin hatten wir genug Ruhe, nach den anstrengenden Bergetappen. Nach ca. 20 km fährt Jule bei mir hinten rauf, ohne dass ich gebremst oder abrupt die Geschwindigkeit gedrosselt habe. Ich muss ganz schön gegenhalten, um nicht selbst hinzufallen. Jule bekommt ihr Rad aber nicht unter Kontrolle und stürzt. Dabei kommt sie auch noch auf die Gegenfahrbahn, wo gerade ein riesiger LKW (mind. 40 t) fährt. Jule kann sich noch geistesgegenwärtig nach rechts abrollen. Der LKW fährt über ihr Vorderrad. Der LKW stoppt auch sofort. Nach dem Unfall räumen wir das Rad, oder was davon übrig geblieben ist, von der Strasse. Jule hat starke Schmerzen am rechten Knie und ein paar Schrammen. Viele Leute stehen herum. Aber sie wissen nicht wie man hilft. Wir lassen Eis organisieren, lagern ihr das Bein  hoch und machen einen Verband. Mehrfach fragen wir die Leute, sie sollen einen Krankenwagen rufen. Doch so was kennen sie nicht. Wenig später kommt die Polizei. Auch die sind überfordert. Also rufen wir in Vientiane bei einer französischen Klinik an. Die sagen, dass sie keinen Transporter haben und wir uns selbst um einen Transport kümmern müssen. Die Deutsche Botschaft gibt uns auch nur unzählige Telefonnummern.  Die Polizei sperrt ab und macht das übliche Protokoll. 

Nach 2 Stunden haben wir endlich eine hilfsbereite junge Frau angehalten, sie spricht super englisch, und Sie fährt Jule in die  französische Klinik. Wir halten einen kleinen LKW an, der uns und die Räder auch dorthin fährt.

Die Klinik besteht nur aus einer Holzbaracke und strahlt alles andere, als westliches Niveau ab. 

Die Untersuchung ist erst am Abend, nach dem Röntgen abgeschlossen. Jule muss 2 Tage pausieren und darf 2 Wochen nicht Rad fahren. Ja, mit welchem auch? Ihr Rad ist eigentlich Schrott. Zumindest der vordere Teil. Ich fahre morgen  alleine mit Marco nach Thailand. Jule bleibt hier im „Orchid-Guesthouse“ gut aufgehoben und hat den ersten Schock gut überstanden.


 
13. Januar 2011: Vientiane ist so langweilig!
Mittwoch, den 23. Februar 2011 um 14:58 Uhr

Gegen 07:15 Uhr klopft es an unserer Zimmertuer. Wir haben noch geschlafen und werden so aus den Schlaf gerissen. Es kann ja nur Jule sein, die in Vientiane angekommen ist. So ist es auch. 

Wir treffen uns beim Frühstück. Welch ein Luxus, dieses Hotel bietet Frühstück an. Zum Frühstück gibt es aber auch nur 2 Toast, 2 Spiegeleier und etwas Marmelade, dazu noch einen Kaffee. Aber heute brauchen wir keine Grundlage schaffen. Jule erzählt uns von dem Unfall.

Der Unfall geschah auf der Fahrt nach Luang Prabang. Es ging Kurvenreich bergab und die Straßen waren Regennass.  Jule, die weiter vorne fuhr, hat es nur noch knallen gehört und sah Lisa bewusstlos auf der Strasse liegen. Nachdem Lisa wieder zu Bewusstsein kam, wusste sie nichts mehr von dem Unfall und fragte wo Marco und Frank sind (wir waren wie beschrieben auf dem Weg nach Phonsavan). Lisa hatte eine ganz große Beule an der Stirn. Das eine Auge war verquollen und sie sah alles doppelt.  Ein Bus hat Lisa nach Luang Prabang mitgenommen und ins dortige Krankenhaus gefahren. Sie wurde untersucht und ihr wurde abgeraten, die nächsten Wochen mit dem Rad zu fahren. Eine genauere Untersuchung soll aber  in Bangkok erfolgen. Lisa will uns dann eine Mail schicken.

Lisa hatte zwar einen Helm dabei, jedoch setzte sie diesen nie auf und hatte ihn auch bei dem Unfall in ihrer Tasche.

Jule hat sich nach dem Unfall um die Sachen von Lisa gekümmert. Ein LKW-Fahrer, der auch Zeuge des Unfalls war, zockte für die Mitnahme gleich mal 10,- Euro ab. Das ist für die Verhältnisse hier sehr viel.

Nun sind wir zu dritt und haben uns heute einen gemütlichen Tag in Vientiane gemacht. Endlich wieder Wärme. Als erstes haben wir unsere Sachen in einer Wäscherei abgegeben. Mit Expresszuschlag bis heute 17:00 Uhr hat mich das gleich mal 9,- Euro gekostet. Vientiane ist eben nicht billig. Dann haben wir unser Glück in einer Bank versucht. Es ist immer Glückssache, ob eine EC-Karte oder  Kreditkarte anerkannt wird. Wenn die EC-Karte geht, heißt es noch lange nicht, dass sie beim nächsten auch funktioniert. Auch die Höhe der Auszahlungen schwanken zwischen 50 Euro bis unbegrenzt. Danach sind wir noch auf der Suche nach einen Helm für Jule. Das ist hier fast aussichtslos. Einen Mopedhelm könnte sie an jeder Straßenecke bekommen. Gegen Mittag putzen wir unsere Räder. Das war aber auch nötig.

Die Stadt selbst, ist klein und übersichtlich. Viel kann man hier nicht anschauen. Eigentlich ist die Stadt nur eine Durchgangsstation für die Backpacker, die in den Norden wollen.

Morgen wollen wir entlang dem Mekong nach Süden fahren. Der Weg ist unser Ziel. Wir sind schon ganz süchtig, wieder auf unserem vollgepackten Rad zu sitzen. 


 
12. Januar 2011: Abenteuer Busfahrt
Mittwoch, den 23. Februar 2011 um 14:57 Uhr

Busfahrt Phonsavan - Vientiane 360 km, soll 9 h dauern

Um 05:30 Uhr stehen wir auf und machen uns fertig. Meine Sachen habe ich in so einem „Türkenkoffer“ gepackt, den ich auf dem Markt erstanden habe. Heute frühstücken wir mal nicht. Unser Tuck Tuck ist überpünktlich da. Die Räder kommen auf das Dach und werden festgebunden. Am Busbahnhof müssen wir nicht lange warten und unser Local-Bus kommt schon. Die Räder werden wieder auf das Dach gehoben und mehrfach festgebunden. Bei der kurvenreichen Strecke, ist es wirklich wichtig, dass alles sehr fest gebunden wird. Aber die Leute haben Erfahrung. Als ob wir es geahnt hätten, nehmen wir die Plätze ganz hinten im Bus ein. Der Bus fährt pünktlich um 7:00 Uhr ab. Doch nach wenigen Metern warten wir 45 Minuten auf Leute, die nicht pünktlich erscheinen konnten. Ist hier alles total normal. In den Dörfern nehmen wir immer mehr einfache Bauern auf und der Bus füllt sich. Jeder Sitzplatz ist ausgefüllt. Die Angestellten verteilen Tüten. Wahrscheinlich für den Müll und so. Als die ersten Serpentinen befahren werden, wissen wir nun, wofür die Tüten sind.

 Überall wird aus Herzenslust ...verzeiht mir den Begriff...gekotzt. Die Tüten fliegen gleich aus dem Fenster. Wir amüsieren uns köstlich über die magenschwachen Kameraden. Auch als alle Plätze ausgefüllt sind, werden immer mehr Passagiere aufgenommen. Die sitzen nun auf Plastikhockern und Reissäcken  im Gang. Das kann man sich gar nicht vorstellen, man muss es gesehen haben.

Ab und an kann ich etwas schlafen. Der Geruch im Bus ist nicht angenehm. Wer niesen muss, macht es einfach nach vorne, dem Vordermann auf dem Kopf. Deswegen ganz wichtig, immer ganz hinten sitzen! Für die Räder mussten wir gar nichts nachlöhnen So kostet uns die lustige Fahrt nur 14,- €. Für diesen Spaß bezahlt man doch gerne.

Pünktlich, mit nur 2 Stunden Verspätung kommen wir in Vientiane an. Es ist schon dunkel und der Busbahnhof liegt im Norden der Stadt. Wir beschließen, uns einen Transport zu nehmen. Normalerweise sind die Menschen hier ganz ruhig. Hier herrscht aber richtige Hektik. Die Fahrer wollen unsere Räder doch tatsächlich auf so einen Kofferberg festschnallen. Dagegen protestieren wir aber und wir bekommen so einen Mini-LKW (Sontheo) und werden direkt zum Guesthouse transportiert, wo wir vor einigen Tagen schon nächtigten. Ein Zimmer gib es auch noch.

Jule ruft Marko an (beiden haben eine  Prepaid-Card für Laos). Sie berichtet, dass Lisa gestern bergab, auf regennasser Strasse, die Kontrolle über ihr Fahrrad verloren hat und ist schwer gestürzt ist. Die erste Diagnose lautet: Gehirnerschütterung. Da die medizinische Versorgung in Laos nicht so optimal ist, hat sie einen Flug nach Bangkok gebucht, wo sie bessere medizinische Betreuung erwarten kann. Hoffentlich ist es nichts Schlimmes.  Jule wird mit dem Nachtbus nach Vientiane kommen, wo sie am frühen Morgen eintreffen wird.

Morgen werden wir beratschlagen, wie es weiter geht. Wir machen hier einen Tag Ruhe, um mal unserer Sachen und unsere Räder auf Vordermann zu bringen.


 
11. Januar 2011: Regen und Kälte im Hochland
Mittwoch, den 23. Februar 2011 um 14:56 Uhr

8. Etappe: Phon Khoun –  Phonsavan; Tages-Km:  47; Zeit: 2:56 h; Durchschnitt: 17,49 km/h; Gesamt: 773 km

In der Nacht fängt es zu regnen an und es wird immer heftiger. Na toll, damit hatte ich gar nicht gerechnet. Hoffentlich hört es auf, denn außer einer Regenjacke, habe ich keine Regenklamotten dabei. Gegen 7:00 Uhr stehe ich auf und putze im Freien meine Zähne. Marco wird auch wach und sieht auch nicht so glücklich aus. Es ist kalt und es regnet. So haben wir uns die Radtour nicht vorgestellt. Schnell  alles zusammenpacken und los geht es, zu dem Lokal von gestern Abend. Wir starten heute wieder mit einer  Nudelsuppe. Immerhin weiß die Frau gleich, was wir wollen. Draußen hört es einfach nicht auf zu regnen. Der Wind macht die Situation auch nicht gerade erträglicher. Kalt weht es in das Lokal hinein. Ich trage heute Sandalen und Strümpfe. Um die Sandalen habe ich Plastiktüten geklebt. Einen billigen Regenponcho habe ich auch noch. Ich sehe zwar aus, wie eine bunte Kuh, doch es erfüllt den Zweck. Die 50 km bis Phonsavan gehen bergauf und -ab. Der Regen hört zwar auf, aber es wird immer kühler und der Wind bläst uns kalt entgegen. Auf dem Plateau wachsen keine Palmen mehr, dafür erstaunlicherweise ein paar Kiefern. Gegen Mittag erreichen wir Phonsavan. Die Stadt ist eine Verwaltungshauptstadt im Norden Laos. Hier gibt es viele Unterkünfte. Wir suchen nach einem warmen Zimmer. Doch Fehlanzeige, also suchen wir nur noch ein Zimmer, wo es  eine Dusche mit warmen Wasser und einem Sitzklo gibt. Wir werden findig und obwohl es hier kalt ist, kommt es uns wie Luxus vor. Mit dem Besitzer der müssen wir einen Begrüßungsschnaps trinken. In der Schnapsflasche sind außer dem Schnaps noch Baumrinde oder so was ähnliches und es schmeckt stark, fast wie Whisky. Da unser Geld langsam aufgebraucht ist, holen wir als erstes Geld von der Bank. Dick angezogen schlendern wir durch die Stadt. Wir beschließen, die nächsten Tage nicht weiter durch die Berge zu fahren. Auch die Einheimischen raten davon ab, die unbefestigten Wege bis nach Pakxan (fast 200 km) zu fahren. Angesichts der Kälte und dass wir immer noch keine Wäsche waschen können, buchen wir also Bustickets nach Vientiane. Morgen früh um 07:00 Uhr soll uns ein Tuck-Tuckfahrer abholen und zum Busbahnhof bringen. Der lokale Bus soll  für die fast 350 km 9 Stunden benötigen. Die Fahrt kostet ein halbes Vermögen, ca. 20 Euro mit Abholservice, Transport der Räder und einem Lunch auf halber Strecke.

Mal sehen, wie sie die Räder auf dem Dach befestigen. Ich habe aber keine Angst, denn auf den Bussen transportieren sie sonst auch Motorroller und andere große Gepäckstücke. In einem noblen Cafe trinken wir leckeren Kaffee und genießen Muffins und Kuchen. 

Nach dem Internetcafe gehen wir noch in dem Lokal "Crater" essen. An jeder Ecke sieht man hier die Bomben und Granaten als Mahnmal oder auch Dekoration. Diese haben die „Helden“ aus den USA während dem Vietnamkrieg abgeworfen. Lange wurde es von den Amerikanern dementiert, dass sie auch Laos heftig bombardiert haben.  Noch heute sind viele Gebiete hier im Hochland gesperrt und es gibt jährlich viele Unfälle mit Toten und Verletzten. 

Also hier im Crater tummeln sich viele  die Touristen. Das Lokal hat eine Tür, die geschlossen werden kann. Bei den Außentemperaturen von unter 10 Grad schon echt wichtig. Anstatt Bier gibt es erst mal heiße Schokolade. Ich bin immer noch total durchgefroren. Die Pizza hat nicht viel mit einer Pizza zu tun. Weder geschmacklich, noch von der Größe. Ach, wie hatte ich mich doch darauf gefreut. Wir quatschen noch mit einem Schweizer Ehepaar, die als Backpacker unterwegs sind. In unserem Guesthouse machen wir noch die Räder transportfertig (Pedale ab und Lenker querstellen). Gegen 22:30 Uhr liege ich endlich im warmen Bett. Richtig mit Bettwäsche und so.


 
10. Januar 2011: Hüttenromantik am See
Mittwoch, den 23. Februar 2011 um 14:54 Uhr

7. Etappe: Phon Khoun – Nong Tang; Tages-Km:  91; Zeit: 5:54 h; Durchschnitt: 15,97 km/h; Gesamt: 721 km

Heute bin ich recht gut ausgeschlafen. Draußen ist es um 06:30 Uhr schon richtig laut. Es herrscht dicker Nebel und es ist ungemütlich kalt. 

Nach dem Packen verabschieden wir uns von Lisa und Jule. Noch eine Nudelsuppe als Frühstück, muss wohl als Grundlage für den Tag reichen.

Zwei Radfahrer berichten uns, dass die Strecke auch sehr bergig ist und dass Phonsavan 130 km entfernt ist. Nach ca. 90 km soll es aber ein Guesthouse geben. Wir beschließen bis nach Nong Tang zu fahren. Die Nebelfahrt macht nicht wirklich Spaß. Die Anstiege sind heftig steil, aber nicht so schlimm, wie den Tag zuvor. Die Dörfer sind an Einfachheit nicht mehr zu Toppen. Die Menschen sind freundlich, aber recht armselig gekleidet. Nun gut, wir sehen auch nicht besser aus. Nach etlichen Kilometern haben wir den Nebeldunst hinter uns und es zeigt sich wieder die Sonne. Die Sonne verleitet uns wieder kurzärmelig zu fahren. Gegen 15:30 Uhr erreichen wir Nong Tang. Ein etwas gepflegteres Dorf an einem braunem See. Das Guesthouse besteht aus mehreren winzigen, einfachen Holzhütten, ohne Fenster, direkt am See. Ist das nicht Romantik? Drinnen steht nur ein Bett und hinter eine Holztür befindet sich ein Loch und ein Wassereimer. Das ist wohl unser WC. Ich habe mich mittlerweile an die einfachen WC's gewöhnt. Für die Verhältnisse ist es recht sauber. Besser als das Guesthouse in Phon Khoun. Wir nehmen jeder eine Hütte für jew. 5,- Euro (500000 Kip). Duschen können wir draußen, an einem Wasserhahn. Also kippe ich mehrere Schöpflöffel mit kaltem Wasser über mich. Auch daran gewöhnt man sich. Ach, wie freue ich mich auf eine warme Dusche und ein Sitzklo.

Im Ort finden wir ein Restaurant, wo wir leckere Nudelsuppe essen. Die sättigt ungemein. Auf der Terrasse halten wir es nicht lange aus, es wird empfindlich kühl und wir gehen schon um 21:00 Uhr schlafen.

 
09. Januar 2011: Berge bis zum Himmel
Mittwoch, den 23. Februar 2011 um 14:52 Uhr

6. Etappe: Vang Vieng - Phon Khoun; Tages-Km:  108; Zeit: 7:12 h; Durchschnitt: 15 km/h; Gesamt: 627 km; Höhe 1400 m

Ich bin froh, dass ich diese so viel gepriesene Backpacker-Station mit den vielen lauten und betrunkenen Touristen verlassen kann. Lisa und Jule wollen heute ein Teilstück mit dem Bus fahren, denn das Profil bis nach Phon Khoun verspricht Anstiege ohne Ende. Marco und ich wollen mal probieren, ob wir die Anstiege schaffen und wir radeln schon um 08:00 Uhr los. Die Frauen starten etwas später. Mit Marco ist das radeln sehr relaxt. Wir machen mal eine Fotopause oder auch mal einen Stopp, um eine Cola zu trinken bzw. Kekse zu essen. So sind die Pausen nicht zu lange und wir kommen mit einem geringeren Durchschnittstempo schneller an unser Ziel.

Die 60 km bis Kasi waren nur hügelig  und nicht so anstrengend. Gegen Mittag sind wir dort und die Frauen haben uns auch eingeholt. Hier trennen sich wieder unserer Wege, da die Frauen eine längerer Mittagspause machen und später einen Transporter nutzen wollen. 

Kurz nach Kasi beginnt ein 20 km langer Anstieg in die Berge. Die Strassen sind kurvenreich und schlängeln sich an den Bergen herauf. Das Tempo beträgt z.T. nicht mehr als 6 km/h. Hinzu kommt noch die Wärme und wir verbrauchen viel Wasser. Es werden immer weniger Dörfer und die Versorgungslage wird allmählich schwierig. Das heißt also viel Getränke und Verpflegung bunkern, was sich natürlich wieder am Gewicht bemerkbar macht. Ab und an gibt es ordentliche Abfahrten, die wir mit 50 - 60 km/h herunterdüsen. Kurz vor unserem Ziel müssen wir uns weitere 10 km hoch quälen. Wir sind mittlerweile 1400 m hoch. Kurz vor der Dunkelheit um 18:00 Uhr erreichen wir die Straßenkreuzung in Phon Khoun, was auch die eigentliche Ortschaft ist. Hier ist alle sehr einfach. Es ist recht kühl, dreckig und laut. Viele Unterkünfte gibt es nicht und so kommen wir in einem sehr einfachen, dreckigen Guesthouse unter. Die winzigen Zimmer kosten 5,- Euro. Die Toilette zgl. Dusche ist am anderen Ende des Ganges. Eigentlich ist die Toilette nur ein Loch und die Dusche sind Wasserfässer mit einem Schöpflöffel. Natürlich nur kaltes Wasser. Augen zu und durch, ich überschütte mich mit dem kalten Wasser und bin somit sauber. Wäsche waschen fällt heute aus. Lisa und Jule kommen auch wenig später an. Sie wurden hochgefahren. In einem Restaurant (alles offen) zieht es und wir essen eine Nudelsuppe, dann  noch ein Reisgericht und so sind die Kohlenhydratspeicher wieder aufgefüllt. Wir verabreden die kommenden Tage. Lisa und Jule wollen nach Luang Prabang, welches noch 140 km weiter nördlich liegt. Notfalls wollen sie wieder diverse Transportmöglichkeiten nutzen. Marco und ich wollen weiter in den Bergen fahren und wir suchen uns eine Strecke nach Phonsavan aus. Keine Ahnung, was uns auf dieser Strecke erwartet. Die Temperaturen sind schon empfindlich kühl, um die 12 Grad.

Heute gehen wir bei Zeiten schlafen. Der Tag war doch ganz schön anstrengend.


 
08. Januar 2011: Ballermannfeeling in Laos
Mittwoch, den 23. Februar 2011 um 14:51 Uhr

5. Etappe: Ban Keun-Vang Vieng; Tages-Km:  133; Zeit: 6:23h; Durchschnitt: 20,85 km/h; Gesamt: 518

Heute geht es mal um 08:00 Uhr los. Mit 22 Grad kommt es uns schon verdammt kühl vor.

Bald bekommen wir einen ersten Vorgeschmack, wie hier die Berge sind und wir kommen endlich mal ins Schwitzen berghoch. Doch das ist wohl eine Kleinigkeit, im Verhältnis, was uns in den nächsten Tagen erwartet.

Für unsere Pausen suchen wir uns immer in einem Dorf einen Shop aus, wo wir sitzen können und mit der Familie herumalbern können.

Kaufen wir uns eine Melone oder sonst eine Frucht, schneiden sie uns diese fachgerecht auf. Was gibt es schöneres.

Nach 80 km kommt plötzlich Marco, wie aus dem Nichts, angeradelt. Er sagt, dass er heute von Vientiane durchgeradelt sei. Dies ist jedoch eine andere, kürzere Strecke, auf Asphalt. Doch die vielen Kilometer und der stressige  Verkehr hatten es bestimmt in sich. Wahnsinn!! Es ist beruhigend, dass es ihm wieder besser geht. Doch was er hatte, weiß er nicht. Er ist nicht noch mal zum Arzt gegangen, weil die Probleme weg waren.

Um 17:00 Uhr erreichen wir Vang Vieng und suchen uns eine Unterkunft. Hier ist es sehr touristisch. Hat schon was von Ballermannfeeling. Jugendliche laufen grölend mit Bierbüchsen durch die Straßen, an den Ecken werden Drogen angeboten und aus allen Ecken dröhnt laute Musik. Ich bin froh, wenn ich morgen wieder weg bin


 
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