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Jahresfahrt vom 04.09. bis 06.09.2015 nach Goslar
Freitag, den 25. September 2015 um 11:31 Uhr

Jahresfahrt vom 04.09. bis 06.09.2015 nach GoslarNachdem bereits während der Jahresmitgliederversammlung die Idee geboren wurde, dieses Jahr eine Städte-Besichtigungsfahrt nach Goslar zu unternehmen, war es nun endlich soweit. Am Freitag, 04.09.2015, gegen 13.00 Uhr brach ein kleines Grüppchen der Verbindungsstelle zu dieser Unternehmung auf. War zunächst mit etwa 48 Personen geplant worden, schmolz diese Zahl durch widrige Umstände, verursacht durch Einsatzerfordernisse und andere Umstände, die zu Beginn der Planung noch nicht absehbar waren, auf 15 Personen des "harten Kerns" zusammen. Wichtig war uns allen aber, diese Fahrt überhaupt durchzuführen.

Bereits während der Anfahrt auf den Harz, der bei schönem Sonnenwetter stattfand, konnten durch klare Sicht erste schöne Eindrücke der Harzberge gewonnen werden. Ergänzt und verstärkt wurde dies durch eine kleinere Rundfahrt durch den nordwestlichen Teil des Harzes. So befuhr die Gruppe über Bad Harzburg am Burgberg und der alten Seilbahn vorbei die Harzhochstraße (B4) und den Radauer Wasserfall bis zum Torfhausberg mit der gleichnamigen Ortschaft Torfhaus. Das Wetter gestattete mit klarer Sicht einen guten Blick auf die höchste Erhebung des Sagen umwobenen Brocken (Blocksberg), mit seinen 1.142 m der höchste Berggipfel im norddeutschen Raum mit einem vergleichsweise alpinen Klima auf dem Brockenplateau. Eine solch gute Sicht ist keine Selbstverständlichkeit, da sich der Gipfel im Ablauf des Jahres sehr häufig Wolken oder Nebel verhangen und verhüllt zeigt.

Weiter ging es dann zu einer der sieben Harzer Bergstädte Altenau, und von dort am bekannten Gasthaus "Windbeutel-König" vorbei zur Okertalsperre. Diese führt durch den trockenen Sommer dieses Jahres zurzeit Niedrigwasser. An der Hauptstaumauer wurde kurz gerastet, um dieses Bauwerk auf sich wirken lassen zu können. Die Talsperre ist eine von nunmehr insgesamt 8 Talsperren, die der Harz zur Wasserregulierung der Flüsse und Bäche, ehemals zum Bergbau und zur Wasserversorgung der norddeutschen Bevölkerung vorzuweisen hat.

Fortgesetzt wurde die Fahrt das Okertal hinunter, vorbei am Romkerhaller Wasserfall und dem "kleinesten Königreich der Welt" bis hinunter nach Oker und Goslar.

Die Unterbringung aller IPA-Freunde war im Harz Lodge Hotel organisiert, einer urigen Flächenhotel-Anlage, die den Eindruck eines kleinen Harzer Örtchens mit seinen Fachwerkhäusern vermitteln soll. Bereits an dieser Stelle waren unsere Teilnehmer außerordentlich überrascht und angetan von dieser Unternehmung. Die Einquartierung erfolgte dann zügig und zu aller Zufriedenheit. Im Restaurant des Hotels war für diesen Abend ein Grill-Essen angesagt. Reichhaltig und schmackhaft wurde jeder nach seinem Gusto und Appetit gesättigt.

Jahresfahrt vom 04.09. bis 06.09.2015 nach Goslar

Begrüßt wurde die Reisegruppe hernach durch den Leiter der Verbindungsstelle Goslar, zgl. Leiter der Landesgruppe Niedersachsen, Edgar Möllers, der es sich nicht hatte nehmen lassen, zusammen mit seiner Ehefrau Martina am ersten geselligen Beisammenseins teil zu nehmen. Es schlossen sich natürlich während des Abends viele interessante Gespräche unter IPA-Freunden an.

Nach einer ruhigen und erholsamen Nacht begann dann das eigentliche Programm des Goslar-Besuches, die Stadt- und Pfalzführung durch Dieter Freesemann. Dieter ist u. a. für viele Jahre Generalsekretär der IPA, Sektion Deutschland, gewesen, war zugleich über Jahrzehnte Leiter der Verbindungsstelle Goslar und mit bzw. nach Eintritt in den Ruhestand auch noch eine Zeit lang Leiter des Deutschen Polizeimuseums in Salzkotten. Er wurde ebenso durch seine Ehefrau Karla begleitet und begrüßte die Teilnehmer unmittelbar vor der Kaiserpfalz Goslar, unserem ersten umfangreichen Proagramm-Punkt.

Dieter Fressemann ist - eigentlich gebürtiger Ostfriese aus Leer - zum einen seit 50 Jahren in Goslar zu Hause, zum anderen passionierter Historienfreund und darüber hinaus seit einigen Jahren Mitglied des Stadtrates der Stadt Goslar und dort als Vorsitzender des Kulturausschusses tätig. Wer wäre also prädestinierter gewesen, uns zu führen als er. Eine solch "private" Stadtführung ist gar nicht bezahlbar!

Begonnen wurde unsere Stadtführung dann mit der Besichtigung der 1.000jährigen Kaiserpfalz, die noch einzig in Europa in einem solchen Zustand völlig intakten Pfalz, vor allem auch in einem solch hervorragenden baulichen Zustand. Dieter Freesemann brachte uns in seiner unnachahmlichen, schlagfertigen und humorvollen Art nun die Geschichte dieses Hauses und der Stadt Goslar, die vom 10. bis 13. Jahrhundert neben der Pfalz Werla bei Quedlinburg gelegen war, aber nicht mehr existiert, nahe. Dazu muss man wissen, dass das HI. Römische Reich Deutscher Nation, also ungefähr das heutige Europa, weitestgehend "aus dem Sattel" regiert wurde. Die sächsischen, fränkischen und salischen Kaiser waren "Reisekaiser". Und die Pfalzen dienten als zeitweilige Regierungssitze und Stützpunkte. Dabei spielte Goslar als bedeutendste neben Werla eine ganz entscheidende und zentrale Rolle. Es würde zu weit führen und den Rahmen dieses Berichtes sprengen, wollte ich jetzt auf all das, was uns dar geboten wurde, im Einzelnen noch einmal rekapitulieren. Aber es war hoch interessant und spannend, frühe europäische Geschichte hautnah zu erfahren und zu erleben. Vielen aus unserer Gruppe war bisher nicht bewusst, welche Bedeutung Goslar (Gose-Lar = Gose-Lager) hatte und noch immer hat.

Jahresfahrt vom 04.09. bis 06.09.2015 nach Goslar

Dem Königshaus Hannover (Welfen), die die Kaiserpfalz im 19. Jahrhundert erstanden und renovierten sowie dem Königshaus Hohenzollern (kurz darauf Kaiserhaus), Kaiser Wilhelm I und insbesondere dem Kronprinzen ist es zu verdanken, dass diese Pfalz neben der baulichen Sicherung auch einen wunderbaren Bilderzyklus birgt. Deshalb steht zu Ehren neben Kaiser Barbarossa auch das Reiterstandbild Kaiser Wilhelm I vor der Pfalz.

Es schloss sich dann ein Stadtrundgang vom Feinsten an, bei dem auch kulturelle, wirtschaftliche und militärischen Größen dieser Stadt benannt wurden. So stammt zum Beispiel der berühmte Generalfeldmarschall Moritz von Sachsen, der im 16. Jahrhundert im französischen Heer eine große Rolle gespielt hat, mit seiner Geburt hier aus Goslar. Gezeugt wurde er übrigens vom Sachsenherzog und König von Polen, August dem Starken, und einer Prinzessin, die zu diesem Zeitpunkt bemerkenswerter Weise aber Äbtissin eines hiesigen Klosters war.

Dass das originale Gose-Bier, ein süffiges obergäriges Bier ähnlich den heutigen Weizenbieren aus Bayern, mit seiner Rezeptur aus Goslar stammt, erst vom berühmten deutschen Dichter Johann Wolfgang von Goethe nach Leipzig "exportiert" und zunächst im Auerbachskeller kredenzt wurde (heute noch in der Goseschänke in der Mengestrasse), ist auch bemerkenswert. Goslar hatte teilweise als sehr reiche Bergbaustadt in seiner wechselvollen Geschichte zu seiner Blütezeit 48 Kirchen und Klöster, sowie etwa 80 kleine und kleinste Brauereien.

Oder dass das Stammhaus derer von Siemens (Siemens AG) hier in Goslar zu finden ist, war nicht bekannt. Und militärische Größen wie Generaloberst Heinz Guderian oder Generalfeldmarschall Erwin Rommel haben hier beim Goslarer Traditionsregiment in den Funktionen als Kompaniechef und Bataillonskommandeur gedient. Goslar war Garnisonsstadt und von jeher auch mititär- und polizeifreundlich eingestellt. Daher waren hier ein Luftwaffenausbildungsregiment III der Bundeswehr (ca. 3.000 Soldaten) und die Bereitschaftspolizeiabteilung des Bundesgrenzschutzes (ca. 560 Beamte, Angestellte und Arbeiter) stationiert und lebten mit ihren Familien zu großen Teilen hier. Leider wurden diese Verbände durch die Strukturveränderungen innerhalb der Bundeswehr und des Bundesgrenzschutzes (heute Bundespolizei) aufgelöst. Der damit nicht unbedeutende Wirtschaftsfaktor ging somit verloren und wurde als sehr schmerzhaft verzeichnet.

Der weitere Rundgang eröffnete viele weitere Einblicke, die dem Normal-Besucher häufig verborgen bleiben. Die heimlichen Wahrzeichen dieser Stadt, nämlich der "Dukatenscheisser" und die "Butterhanne", die wegen ihrer versteckten oder unauffälligen Positionen kaum beachtet werden, konnte von uns bestaunt werden. Dass Goslar eine mit Naturschiefer gedeckte Fachwerk-Häuserstadt mit romanischen, gotischen und barocken Gefachen ist, die aber nicht nur als Museeumsstadt wie z. B. Rothenburg ob der Tauber dient, sondern voll und ganz bewohnt wird, war auf vielen nicht so bewusst. Schön anzuschauen und zu bewundern waren das Bäckergildehaus, das Hotel Brusttuch, das Hotel Kaiserworth, das Rathaus, die Kämmerei mit ihrem berühmten Glockenspiel und der Marktbrunnen, alle im Schatten der alles überragenden Marktkirche St. Simon und Juda.

Nach einer ausgiebigen Pause in den Restaurationen am Marktplatz setzen wir unseren Stadtrundgang mit einem Spazierweg entlang der so genannten Abzucht (abziehende Wässer aus dem (jetzt ehemaligen bedeutenden Erz-Bergwerk am Rammelberg) weiter fort. Der Rammelsberg ist der Hausberg von Goslar. Durch das hier gefundene Erz, zu Teilen auch Silber und Gold, machte die Stadt ja erst so begehrt bei den damals herrschenden Kaisern, Königen und Herzögen. Eine ganz große Rolle spielte dabei auch Kaiser Barbarossa und Herzog Heinrich der Löwe von Braunschweig.

Schlusspunkt dieser dann insgesamt 6 1/2 Stunde währenden Führung war dann letztendlich das St. Annenhaus und die innen liegende St. Annen-Kapelle. Auch hier gab es wieder etliches zu bestaunen und Wissenswertes zu hören und zu sehen. Das Goslarer Fastentuch ist in seiner Bedeutung vielleicht mit der Bildergeschichte der hl. Margarete - einer der 14 Schutzheiligen - noch höher einzustufen, wie das Fastentuch von Zittau. Damit schloss sich dann der Kreis der Führung.

Jahresfahrt vom 04.09. bis 06.09.2015 nach Goslar

Nach einer kurzen Rast in unserem Hotel fand letztlich unser geselliger Abend in der Ausflugsgaststätte Am Maltermeisterturm statt. Das Haus liegt auf halber Höhe des Rammelsberges und bietet einen wunderbaren Blick auf die gesamte Stadtkulisse. Im Rahmen des geselligen Beisammenseins wurde dann Edgar Möllers und Dieter Freesemann in besonderer Weise für ihr außerordentliches Engagement um den Besuch der Leipziger IPA-Gruppe gedankt. Nach zünftigem Schmaus und auch ein paar geistigen Getränken war dann auch dieser Abend zu Ende. Lediglich ein harter Kern harrte dann noch im Restaurant bei einigen Schlummertrunken aus.

Nach dem Frühstück am Sonntagmorgen verließ unsere IPA-Gruppe diese so sehr interessante Stadt. Auf der Rückfahrt war es dann aber erheblich ruhiger in unserem Gefährt als auf der Hinfahrt. Um die Mittagszeit erreichten wir wieder unseren Ausgangspunkt bei der Bereitschaftspolizei Sachsen in der Essener Straße.

Nun, es war, wie mir von allen Seiten begeistert bestätigt wurde, eine "runde Sache". Alle hat es begeistert und den Wissenshorizont doch erheblich geweitet. Viele der Teilnehmer werden wohl - das scheint jetzt schon sicher - angeregt, diese Stadt und den Harz erneut im Rahmen eines Wochenendausfluges oder eines Urlaubes zu besuchen.

"Glück auf' - wie der Bergmann sagt! Rolf Lumack

Mitglied der IPA Leipzig

Weitere Bilder der IPA-Jahresfahrt 2015 nach Goslar befinden sich in der Bildergalerie.

 
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