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Johannes Leonhardi: Bericht über Auslandspraktikum in Canada
Dienstag, den 29. Juni 2010 um 22:26 Uhr

Bericht über mein Auslandspraktikum in Canada - Toronto/Vancouver vom 02.03.-26.03.2010Das erste Teilpraktikum führte mich nach Toronto. Schnell wurde mir klar, dass in Toronto und Canada im Allgemeinen, ein Vielfaches an Finanzmitteln für innere Sicherheit zur Verfügung steht und dadurch eine hervorragende Ausstattung der Polizei in jeglicher Hinsicht möglich ist. Das Jahresbudget für die Toronto Police liegt bei ca. 900 Mio. CAD (ca. 675 Mio. Euro).

Darüber hinaus liegt die Bezahlung der Beamten auf einem sehr hohen Niveau. So verdient ein 1st class Constable (vergleichbar eines Hauptmeisters) bei ca. 90.000 CAD (ca. 68.000 Euro) im Jahr. Daraus resultiert eine sehr hohe Zufriedenheit bei den Beschäftigten, so jedenfalls mein Eindruck. Die Ausbildungszeit ist mit 6 Monaten sehr kurz und die Aufstiegschancen sind sehr gut. Eine Beförderung zu einem vergleichbaren Amt wie dem hiesigen Kommissar, erfordert in Canada kein mehrjähriges Studium sondern den Willen des Vorgesetzten & einem schriftlichem wie einem mündlichen Test. Die Verwendungsbreite ist vielfältig und gewollt. Nach meinem Eindruck sind also die Arbeitsbedingungen (Ausstattung), die Bezahlung, die hohe Verwendungsbreite sowie die Karrierechancen eines Polizisten in Canada perfekt. In der Bevölkerung genießt die Polizei einen guten Ruf. Dies liegt vor allem auch daran, dass es, wie mir mehrfach mitgeteilt wurde, Anliegen der Canadischen Polizei ist, ein Spiegelbild der Bevölkerung zu sein. Als Einwanderland ist Canada ein wirklicher Schmelztiegel der unterschiedlichsten Nationen, Hautfarben und somit natürlich auch Kulturen. Dies entwickelt natürlich ein ganz anderes Bevölkerungsbild als wir es aus europäischen Ländern gewohnt sind. Diesem Bild gerecht zu werden, indem es gespiegelt wird und in dem sich die Bevölkerung wiederfindet, ist Hauptziel der Polizei in Canada. So sah ich bspw. einen Kollegen mit Turban oder Polizisten als Vertreter und spezielle Ansprechpartner für indigene Minderheiten.

Bericht über mein Auslandspraktikum in Canada - Toronto/Vancouver vom 02.03.-26.03.2010

Insbesondere in Toronto, einer Stadt mit einer Bevölkerungszahl von ca. 3 Mio. Menschen und ca. 5.500 Polizisten, fiel mir auf, dass eine Vielzahl von Projekten, Initiativen und Modellen entwickelt werden, um spezifische Probleme zu lösen. Dies ist nur dann möglich, wenn auch die finanziellen und personellen Mittel zur Verfügung stehen, so wie eben in Toronto.

Bericht über mein Auslandspraktikum in Canada - Toronto/Vancouver vom 02.03.-26.03.2010 Bericht über mein Auslandspraktikum in Canada - Toronto/Vancouver vom 02.03.-26.03.2010

Das Programm „TAVIS“ basiert auf statistisch errechneten „Hotspots“ was bedeutet, dass die Stadtteile mit hoher Belastung an Gang- und Drogenkriminalität berechnet werden. In den Sommermonaten wird dann eine TAVIS-Einheit, bestehend aus 50-100 Beamten in diese Region, im Rahmen von Zusatzdiensten mit Vergütung, gesandt und eine Befriedung durch Präsenz, Aufklärungsarbeit und Kooperationsprojekten in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung bewirkt.

Ein weiteres, sehr ambitioniertes Projekt sind die „School Officer“. Die Idee dahinter besteht darin, dass jeder Schule in Toronto (einige Hundert) ein Officer zur Verfügung gestellt wird. Dieser bekommt dort sein Büro, ist während der Schulzeit immer anwesend und Ansprechpartner für Lehrer und Schüler.

Diese zwei Projekte sollen nur stellvertretend für eine Vielzahl von Ideen dargestellt sein, welche innerhalb und in Kooperation mit externen Partnern erarbeitet werden.

Auf die mir schon häufig gestellte Frage, was denn in Canada aus meiner Sicht gegenüber der deutschen Polizei defizitär sei, konnte und kann ich nur sagen, dass mir während meines doch recht intensiven Aufenthalts nichts begegnet wäre, was ich in Deutschland als vorteilhafter einschätzen würde.

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Das zweite Teilpraktikum führte mich dann nach Vancouver, an der Westküste Kanadas. Aufgrund der Olympischen Winterspiele war es mir leider nur in der letzten Woche möglich, einen Eindruck und somit einen Vergleich zu Toronto zu gewinnen. Zusammenfassend kann ich sagen, dass kein wesentlich anderer Eindruck als in Toronto entstand. Die Unterschiede ergaben sich aus regional bedingten Problemstellungen. So gehört Vancouver zu einer der Städte in Canada, welche die meisten Drogenabhängigen beherbergt. So war es mir möglich, eine Fußstreife im Drogenviertel der Stadt mit einer unglaublich erschreckenden, offenen Drogenszene (hier Crack & Heroin) durchzuführen.

Bericht über mein Auslandspraktikum in Canada - Toronto/Vancouver vom 02.03.-26.03.2010

Die hohe Dichte an chinesischen Einwanderer, welche durch den Bau der Eisenbahnverbindung von Ost nach West die Besiedelung des Landes erst ermöglichten, stellt ebenso eine Besonderheit von Vancouver dar.

Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass ich durch das Praktikum in Canada ein Bewusstsein für das entwickeln konnte, was auf polizeilicher Ebene alles möglich sein kann, wenn die entsprechenden Finanzmittel zur Verfügen stehen. Der in der Bevölkerung stark verwurzelte Respekt aber auch das Verständnis von Polizei als Teil der Gesellschaft aus der Gesellschaft heraus, hat mich stark beeindruckt. Von den Aufstiegs- und Verdienstmöglichkeiten abgesehen, waren die Arbeitsbedingen durch modernste Ausstattung und eine große Verwendungsbreite nahezu perfekt.

Johannes Leonhardi

 
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