14. Januar 2011: Unfall, viel Glück und Zwangsaufenthalt in Vientiane

9. Etappe: Vientiane – Thadeua (kein Witz); Tages-Km: 20 

Heute sind wir pünktlich um 08:30 Uhr losgefahren. Es ist schon schön warm. Endlich wieder in der Sonne und bei Wärme fahren. Ach, was haben wir uns gefreut. Marco sagte noch, endlich kommen wir aus Vientiane raus und sehen es nie wieder. Ich sagte noch, man soll nie "nie" sagen. Wir kommen die ersten Kilometer flott voran und haben auch ganz schnell die Stadt verlassen. Wir nutzen de wenig befahrene Straße in Richtung Osten. Insgeheim rechnen wir uns aus, dass wir heute die 140 km bis Pakxan schaffen können. Immerhin hatten wir genug Ruhe, nach den anstrengenden Bergetappen. Nach ca. 20 km fährt Jule bei mir hinten rauf, ohne dass ich gebremst oder abrupt die Geschwindigkeit gedrosselt habe. Ich muss ganz schön gegenhalten, um nicht selbst hinzufallen. Jule bekommt ihr Rad aber nicht unter Kontrolle und stürzt. Dabei kommt sie auch noch auf die Gegenfahrbahn, wo gerade ein riesiger LKW (mind. 40 t) fährt. Jule kann sich noch geistesgegenwärtig nach rechts abrollen. Der LKW fährt über ihr Vorderrad. Der LKW stoppt auch sofort. Nach dem Unfall räumen wir das Rad, oder was davon übrig geblieben ist, von der Strasse. Jule hat starke Schmerzen am rechten Knie und ein paar Schrammen. Viele Leute stehen herum. Aber sie wissen nicht wie man hilft. Wir lassen Eis organisieren, lagern ihr das Bein  hoch und machen einen Verband. Mehrfach fragen wir die Leute, sie sollen einen Krankenwagen rufen. Doch so was kennen sie nicht. Wenig später kommt die Polizei. Auch die sind überfordert. Also rufen wir in Vientiane bei einer französischen Klinik an. Die sagen, dass sie keinen Transporter haben und wir uns selbst um einen Transport kümmern müssen. Die Deutsche Botschaft gibt uns auch nur unzählige Telefonnummern.  Die Polizei sperrt ab und macht das übliche Protokoll. 

Nach 2 Stunden haben wir endlich eine hilfsbereite junge Frau angehalten, sie spricht super englisch, und Sie fährt Jule in die  französische Klinik. Wir halten einen kleinen LKW an, der uns und die Räder auch dorthin fährt.

Die Klinik besteht nur aus einer Holzbaracke und strahlt alles andere, als westliches Niveau ab. 

Die Untersuchung ist erst am Abend, nach dem Röntgen abgeschlossen. Jule muss 2 Tage pausieren und darf 2 Wochen nicht Rad fahren. Ja, mit welchem auch? Ihr Rad ist eigentlich Schrott. Zumindest der vordere Teil. Ich fahre morgen  alleine mit Marco nach Thailand. Jule bleibt hier im „Orchid-Guesthouse“ gut aufgehoben und hat den ersten Schock gut überstanden.


 
RocketTheme Joomla Templates