07. Januar 2011: Der Alptraum und die Traumhochzeit

4. Etappe: Vientiane- Ban Keun; Tages-Km: 60

In der Nacht war an Schlaf kaum zu denken. Marco hatte wohl Durchfall und rannte immer auf's Klo. Ich bin dann doch mal eingeschlafen (vielleicht 3 h) und werde um 06:30 Uhr von Marco geweckt. Er erzählt mir, dass er im Krankenhaus war. Ich dachte, es wäre ein Traum und frage immer nach: "Was, du warst im Krankenhaus oder willst du dorthin?"

Es war aber kein Traum. Marco sein Magen rebellierte und der Weg zu einem Arzt war notwendig. Er erzählte, dass er im Krankhaus  abgehorcht wurde, der Blutdruck wurde gemessen, der Bauch abgetastet und schon war eine Wald- und Wiesendiagnose parat. Man sagte ihm, er hätte eine Entzündung und müsste unzählige Tabletten schlucken. Die er aus der Apotheke holte. Übrigens konnten die Ärzte kaum Englisch. Nun war Marco richtig beunruhigt und beschloss erst mal in Deutschland anzurufen, um zu erfahren, was für Chemie er bekommen hat. Weiterhin wollte er erst mal für ein paar Tage in Vientiane bleiben und sich notfalls in Thailand behandeln lassen (dort gibt es bessere Ärzte). Nachdem heute jeder für sich Frühstück organisiert hat (geht schneller), sind Lisa, Jule und ich um 09:45 Uhr aufgebrochen. Eigentlich auch wieder ziemlich spät, aber für geplante 90 km "ausreichend".

Der Weg raus aus dieser Stadt ist nicht einfach zu finden, weil es keine ordentliche Ausschilderung gibt.

Jule hat ein Problem mit ihrem Rad, es knackt. Ich mache also eine Runde damit und kann ausschließen, dass es das Tretlager ist.

Jule kommt mit meinem Rad nach und hat vergessen den Spannriemen abzumachen, den ich immer in die Speichen meines Vorderrades hänge, wenn ich anhalte,  damit der Lenker nicht herumschlägt.

Toll! Zum Glück war keine Speiche gebrochen. Jetzt muss ich den verleierten Gurt aus meinem Vorderrad herauslösen. Nachdem es erledigt ist, sind wir noch ein Stück gefahren, dann war Jule's Rad nicht mehr zu bewegen. In einer Mopedwerkstatt gibt es das richtige Werkzeug und einen behilflichen Monteur. Nach 30 Minuten ist wieder alles in Ordnung und die Tour kann weiter gehen. Wir sind ja erst 12 km gefahren.

Aus Vietiane raus wird es ruhiger und die Dörfer werden immer schöner. Die Menschen sind noch freundlicher, als in Thailand, man hält es kaum für möglich. Irgendwann ist die Asphaltstraße zu Ende und es geht weiter auf unbefestigten Lehmpisten. Mit einer Fähre aus Bambus setzen wir über einen Fluss. Die Landschaft ist traumhaft schön. Die Menschen rufen ständig Sawaidee und winken. Vor allem die vielen Kinder. An jeder Straßenkreuzung müssen wir uns durchfragen und bekommen z.T. verwirrende Auskünfte. Aber wir kommen doch an unser Ziel, in Ban Keun an. Jetzt gibt es auch wieder eine Asphaltstrasse.

Auf Grund des enormen Zeitverzuges, es ist schon 15:30 Uhr, bleiben wir nach 60 km hier in Ban Keun.  Unser eigentliches Ziel, der größte Süßwassersee von Laos, ist noch 30 km entfernt und die Strassen dorthin sollen auch nicht die besten sein.

Das einzige Guesthouse ist einfach, aber schön. Die Frauen wollen auf dem Markt und ich putze mein Rad, wasche meine Sachen und fahre dann  durch den Ort auf der Suche nach was Essbaren. Touristen scheint es hier nicht zu geben und entsprechend ist die Verständigung. Aber irgendwie bekomme ich ein tolles laotisches Gericht (Suppe, Reis mit Schweinefleisch und Gemüse). Es schmeckt wirklich lecker. Danach werde ich noch von einer Familie eingeladen, die dort auch essen. Viel brauchte ich aber nicht mehr. Es ist aber interessant, wie hier gespeist wird (mit Fingern und Stäbchen). Die Kinder haben wohl noch niemals einen Falang (Langnase) gesehen und schauen mich unentwegt an. Als ich nach dem Essen in der Unterkunft zurück bin, ist dort eine Hochzeitsfeier. Mein Traum, von einer Einladung zu einer exotischen Hochzeitsfeier geht in Erfüllung. Jule kommt auch mit. Wir bekommen erklärt, dass dieses Fest, einen Tag vor der eigentlichen Vermählung stattfindet. Es gibt reichlich zu essen (Fleisch, Fisch und Klebereis). Ich bekomme eine Einweisung in die Handhabung von Stäbchen und trinke mit den Männern Bier. Die trinken es mit Eiswürfeln, welch eine Verunreinigung. Ich kann gar nicht alles aufschreiben, das würde den Rahmen sprengen. Gegen 23:00 Uhr verabschieden wir uns höflich und ich kann endlich ordentlich ausschlafen.


 
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